Präses Dr. Thorsten Latzel: „Wir brauchen einen Geisteswechsel“

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, macht in seiner Botschaft zum Pfingstfest Mut, dem Ungeist in der Welt entgegenzutreten. In einem Schreiben an die mehr als 500 rheinischen Kirchengemeinden betont er: „Es ist Pfingsten – Gott sei Dank! Wir feiern, dass Gott uns seinen Geist schenkt. Und ich glaube, dass unsere Welt nichts dringender braucht als genau das: einen Geisteswechsel.“

Präses Latzel beschreibt den herrschenden Ungeist: „Es werden weltweit Unsummen für Rüstung ausgegeben für Kriege, die fast niemand will. Wir erleben, wie schwer es fällt, mit Menschen anderer Meinung zu sprechen. Wir sind oft wie fixiert von Krisen und Problemen und sehen kaum den Schatz, den Gott uns aneinander schenkt.“ Dem setze Gott selbst an Pfingsten seinen Geist entgegen. „Gott entfürchtet uns, vertreibt unsere Sorgengeister.“

Gottes Wirken konkret erfahren
Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der Kirche. Die Gemeinden feiern, dass Gott 50 Tage nach Ostern seinen Geist an die Jünger*innen sendet. Dieses „himmlische Empowerment“, wie es die Bibel beschreibe, sei auch jetzt und heute erfahrbar. Davon berichtet Präses Dr. Thorsten Latzel aus eigenem Erleben: „Etwa bei einer Ordinationstagung, als rund 60 Menschen darüber sprechen, was sie motiviert. Beim Mitarbeitenden-Fest eines Kirchenkreises, bei dem so viele kommen, dass eine ganze Fabrikhalle aus allen Nähten platzt. Oder beim ganz normalen Gottesdienst, wenn Gottes Geist durch die Orgel braust und wir gemeinsam von Hoffnung singen – allem anderen zum Trotz.“

Kraft, Liebe und Besonnenheit
Ins Zentrum rückt Präses Latzel dabei die biblische Zusage aus 2. Tim 1,7: „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Der Geist sei eine Gemeinschaftsgabe und führe Menschen zusammen. Neben der Befreiung von Furcht vermittle er drei wichtige Gaben angesichts der aktuellen Krisenstimmung: „die Kraft, auf andere zuzugehen; die Liebe, nicht ständig um uns selbst zu kreisen, sondern für andere da zu sein; die Besonnenheit, die Welt immer wieder neu im Licht der Liebe Christi zu sehen“. Diese Zusage sei ihm persönlich in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, so der rheinische Präses: „Gott schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit. Das hilft mir, jeden Tag neu in meinem Leben für Frieden und Versöhnung einzutreten – im Vertrauen darauf, dass Gott etwas Gutes daraus machen wird.“

Stichwort: Pfingsten
Pfingsten ist nach Weihnachten und Ostern das dritte große Fest im Kirchenjahr. Pfingstsonntag ist in diesem Jahr am 24. Mai. Der Name geht auf das griechische Wort „pentekoste“ (der Fünfzigste) zurück, weil das Fest 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. Das Fest symbolisiert den Beginn der Ausbreitung des christlichen Glaubens durch die Befähigung der Jünger*innen, in verschiedenen Sprachen zu predigen.

Text: ekir.de