Mehrgenerationenhäuser von Mittelkürzung bedroht

Laut einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sollen die Mittel für die 530 aktiven Mehrgenerationenhäuser (MGH) im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus ab 2024 gekürzt werden. Sollte das so kommen, träfe dies auch die beiden Mehrgenerationenhäuser im Kreis Altenkirchen hart. Die Bandbreite der Angebote ist groß, die personellen Ressourcen von jeher knapp bemessen und nur mit hohem ehrenamtlichen Engagement leistbar. Bei einer Mittelkürzung stünde die Frage an, wo gestrichen werden muss.

„Das wäre eine Streichung mit schlimmer Signalwirkung und gerade in schwierigen Zeiten sollten die Häuser gestärkt werden anstatt Zuschüsse zu kürzen“ – hier sind sich Silke Seyler, Koordinatorin des MGH Mittendrin in Altenkirchen und Margit Strunk, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes als Träger der Einrichtung einig. „Wir unterstützen daher die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesnetzwerkes der Mehrgenerationenhäuser mit Unterschriftenlisten, Petitionen und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen voll und ganz und stehen in Kontakt mit unseren Wahlkreisabgeordneten.“

Konkret geht es um eine Kürzung von 5% bzw. 2.000 €; das mag nicht viel erscheinen, ist aber vor dem Hintergrund der ohnehin bestehenden Unterfinanzierung der Häuser eine weitere Belastung. Mehrgenerationenhäuser sind eine bedeutende Infrastruktursäule gerade im ländlichen Raum. Dauerhafte Strukturen vor Ort sind wichtig für das demokratische Miteinander. „Eine Kürzung hätte fatale Folgen für das Miteinander in unserer Gesellschaft und träfe wie so oft die, die am wenigsten haben und am meisten auf Hilfe, Unterstützung und Möglichkeiten der Begegnung und Teilhabe angewiesen sind“, so die Verantwortlichen des MGH Mittendrin in Altenkirchen weiter.

Und es waren gerade die Mehrgenerationenhäuser, die während der Flüchtlingskrise, in Pandemiezeiten sowie in Folge des Krieges in der Ukraine schnell und bedarfsgerecht Hilfe geleistet, Menschen unterstützt, bestärkt und beheimatet haben. Hier begegnen sich die Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Alter und werden als Teil der Gesellschaft angenommen. In Krisenzeiten sind gerade die Mehrgenerationenhäuser verlässliche Partner, die zeitnah und mit großem Engagement und Flexibilität eine feste Größe im Sozialraum darstellen, die einspringen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.

Große gesellschaftliche Themen werden in den Häusern frühzeitig und lösungsorientiert angepackt. So sind für die Mehrgenerationenhäuser etwa Digitalisierung, Kinderarmut, Engagement und Demokratieförderung oder Vereinsamung keine neuen Aufgaben, sondern schon längst im Fokus der Verantwortlichen. Seit Jahren sind die Mehrgenerationenhäuser unter finanziellem Druck, denn für die meisten Zusatzaufgaben gab es keine zusätzlichen Mittel. Es gibt keine langfristig gesicherte Finanzierung seitens des Bundes. Das aktuelle Förderprogramm endet 2028. Andere projektbezogene Fördertöpfe bringen immer neue Aufgaben mit sich, ohne notwendige personelle Ressourcen aufzustocken. Sind die Mittel ausgelaufen, bleibt die Aufgabe oft bestehen, denn die sozialen Problemstellungen vor Ort verlangen dauerhaften Einsatz.

Wer die Mehrgenerationenhäuser unterstützen möchte, kann die Online-Petition unterzeichnen

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-eine-starke-zukunft-der-mehrgenerationenh%C3%A4user-stoppt-die-f%C3%B6rdermittelk%C3%BCrzung?redirect=false

oder sich an den ausliegenden Unterschriftenlisten eintragen. Die Listen liegen u. a. zu den Öffnungszeiten im MGH, in der Diakonie und im Haus der Ev. Kirche im Stadthallenweg 16 in Altenkirchen ebenso wie in Einrichtungen und Geschäften aus.