Ein Baum, der verbindet – Wiedersehen in Wittenberg
Fast zehn Jahre ist es her, dass eine kleine Delegation aus Daaden in der Lutherstadt Wittenberg einen Amberbaum pflanzte. Im Oktober dieses Jahres reiste Thorsten Bienemann, Männerbeauftragter des Kirchenkreises Altenkirchen, zu einem Treffen in der Ev. Akademie Sachsen-Anhalt nach Wittenberg. Pünktlich zum Reformationstag bot sich damit auch die Gelegenheit, nach dem Daadener Baum zu sehen. Der steht im Luthergarten an der Exerzierhalle, gleich am Neuen Rathaus, hat sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt und macht einen gesunden Eindruck. Auch die Plakette, die an seine Herkunft erinnert, wurde bei dieser Gelegenheit gereinigt.
Die Geschichte dieses Baumes reicht zurück in das Jahr 2013. Damals entstand die Idee, dass sich auch die kreiskirchliche Männerarbeit gemeinsam mit der Kirchengemeinde Daaden am internationalen Luthergarten in Wittenberg beteiligen könnte. Mit Unterstützung der Westerwaldbahn, des Aktionskreises Daaden und der Kirchengemeinde wurde aus dieser Idee schließlich Wirklichkeit.
Zum 500. Reformationsjubiläum entstand in Wittenberg unter dem Motto „500 Jahre Reformation – 500 Bäume“ ein ganz besonderes Denkmal. Kirchen und christliche Gemeinschaften aus aller Welt waren eingeladen, einen Baum zu pflanzen und zugleich einen Partnerbaum in ihrer Heimat wachsen zu lassen. So entstand ein weltweites Netz lebendiger Erinnerungsorte, das weit über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben sollte.

Am 26. April 2017 war es für Daaden so weit. Gemeinsam mit weiteren Gemeindemitgliedern pflanzten der damalige Baukirchmeister Willi Jung und Thorsten Bienemann den Amberbaum mit der Nummer 359 im Wittenberger Luthergarten. Wenige Wochen später, am 11. Juni 2017, wurde der von der Baumschule Hebel gestiftete Partnerbaum an der Daadener Barockkirche gepflanzt. Die Pflanzung fand im Rahmen der Feierlichkeiten zur Verleihung der Stadtrechte statt. Unter Mitwirkung von Pfarrer Steffen Sorgatz setzten der damalige rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz und Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler den Baum in die Erde. Damit verbindet er nicht nur Daaden mit Wittenberg, sondern erinnert zugleich an ein besonderes Jahr in der Geschichte der Stadt.
Doch der Luthergarten ist weit mehr als eine Erinnerung an Martin Luther und die Reformation. Seine Bäume stehen für die weltweite Gemeinschaft der Christen, für Versöhnung, Frieden und die Verantwortung, die Menschen füreinander und für Gottes Schöpfung tragen. Jeder Baum ist Teil eines großen Ganzen und trägt auf seine Weise dazu bei, dass dieser Gedanke lebendig bleibt.
Für den Daadener Baum hatte Pfarrer Steffen Sorgatz damals einen Vers aus dem Epheserbrief ausgewählt: „Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war.“ (Epheser 2,14)
Dieser Gedanke hat bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren. Gerade in einer Zeit, in der Kriege geführt und Grenzen gezogen werden, erinnert der Vers daran, was Menschen im christlichen Glauben verbindet. Frieden beginnt dort, wo Menschen aufeinander zugehen, einander zuhören und bereit sind, auch über Unterschiede hinweg Gemeinschaft zu suchen. Dabei müssen sie nicht immer einer Meinung sein. Entscheidend ist die Bereitschaft, den anderen dennoch zu achten.
Schon bei der Pflanzung 2017 wurde dieser Gedanke ganz praktisch. Weil eine Kirchengemeinde aus Oldwick im amerikanischen Bundesstaat New Jersey nicht selbst nach Wittenberg reisen konnte, übernahm die Daadener Delegation kurzerhand auch die Pflanzung ihres Baumes auf der Nachbarparzelle. Fotos und Segenswünsche gingen anschließend über den Atlantik. Eine kleine Geste, aus der eine Verbindung zwischen Menschen entstand, die sich zuvor nicht kannten und doch etwas miteinander teilten.
Bei dem diesjährigen Besuch wurde deutlich, was aus dem jungen Baum von damals geworden ist. Er hat seinen Platz gefunden und gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Luthergarten. Der Besuch weckte zugleich Erinnerungen an die Vorbereitungen und die gemeinsame Pflanzung vor fast zehn Jahren. Was damals mit einer Idee und vielen helfenden Händen begann, ist heute ein bleibendes Zeichen der Verbundenheit zwischen Daaden und Wittenberg.
Dass das Wiedersehen ausgerechnet zum Reformationstag stattfand, gab dem Besuch eine besondere Bedeutung. Denn die Reformation ist nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit. Sie lädt bis heute dazu ein, den eigenen Glauben immer wieder neu zu bedenken und nach der Verantwortung für die Mitmenschen und die Welt zu fragen. Auch der Luthergarten greift diesen Gedanken auf. Seine Bäume erinnern daran, über Grenzen hinweg miteinander verbunden zu bleiben und sich gemeinsam für Frieden und Versöhnung einzusetzen.
In Wittenberg wächst der Daadener Amberbaum als einer von 500 Bäumen. In Daaden steht sein Partner an der Barockkirche. Zwei Bäume, viele Kilometer voneinander entfernt und doch durch eine gemeinsame Geschichte verbunden. Beide erinnern daran, dass aus einer guten Idee etwas wachsen kann, das bleibt. Und dass es sich lohnt, auch heute noch Bäume zu pflanzen, Brücken zu bauen und auf eine friedliche Zukunft zu vertrauen.
Text und Foto: Thorsten Bienemann