Synode Daaden 2015

Herbstsynode 2015 in Daaden

 

Treffen in Daaden mit vielen Facetten

Mit einer Schweigeminute und Gedenken an die Opfer, deren Familien und Freunde in Paris begann der zweite Tag der Synode unseres Kirchenkreises in Daaden völlig anders als  geplant. Herrschte zum Auftakt am Freitagabend noch „Synodenalltag“ mit Gottesdienst und ersten Arbeitsrunden, so wollten und konnten die rund 70 Delegierten und ihre Gäste nach der nächtlichen Ruhephase, die erschüttert worden war durch die blutigen Ereignisse in Paris, nicht zur Tagesordnung übergehen.
Gemeinsam mit Gemeindepfarrer Steffen Sorgatz (Daaden) brachten die Synodalen ihre Erschütterung, Ängste, ihr Mitgefühl, aber auch ihre Sprachlosigkeit vor Gott. Auch bei der Gestaltung der Sonntagsgottesdienste in den Gemeinden vor Ort wollen die evangelischen Christen – insbesondere bei den Gebeten dort –  das Leid, die Betroffenheit und die Sorgen aufnehmen und zur Sprache bringen.

Flüchtlinge im Mittelpunkt des Jahresberichts

Dass „Christ sein“ in einer zunehmend globaler agierenden Welt schon lange nichts mehr mit betulichem Wirken im Schatten des eigenen Kirchturms zu tun hat, hatte Superintendentin Andrea Aufderheide bereits in ihrem Bericht an die Synode zum Auftakt der Synode in den Mittelpunkt gestellt.

Superintendentin

Die weltweite Flüchtlingssituation, die längst auch den Kirchenkreis erreichte und der die Menschen in den Gemeinden und im Kirchenkreis durch vielfältigen Einsatz begegnen, nahm breiten Raum in ihrem Jahresbericht ein. „Jeder Mensch, der von Flucht und Vertreibung betroffen ist, hat einen Anspruch darauf, in seinem Zufluchtsstaat freundlich willkommen, aufgenommen und menschenwürdig untergebracht zu werden“, mahnte die Theologin, „denn leider blenden wir nur allzu gerne aus, dass auch wir in Europa einen Anteil an der weltweiten Fluchtbewegung haben.“. In diesem Zusammenhang erinnerte sie u. a. an die globale Ausbeutung von Bodenschätzen, um die eigene Wirtschaftskraft zu erhalten, und die damit verbundenen Umweltschäden, aber auch an den Verkauf von „Waffen, die früher oder später in den falschen Händen landen“.
Die Superintendentin zeigte die Vielfalt der Hilfebemühungen für Flüchtlinge in der Heimatregion auf, die vom Diakonischen Werk, aber auch in den Gemeinden und in Kooperation mit vielen Partnern geleistet werde. Beeindruckt hat sie die Bereitschaft der Menschen im Kreis, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einzusetzen. Dafür ist sie dankbar. Trotzdem müsse man realistisch erkennen, dass nicht alle Aufgaben, vor die unser Land derzeit gestellt ist, auf Dauer ehrenamtlich geleistet werden könnten. „Ehrenamtliche sind unterstützend, entlastend, ergänzend wichtig und unentbehrlich, aber sie dürfen keinesfalls den Staat aus der Pflicht nehmen“, forderte sie.

Auftakt KS 2015

Den Auftaktgottesdienst zur Kreissynode in Daaden gestalten (v.l.) Superintendentin Andrea Aufderheide, Prädikant Eckhard von der Osten-Sacken (Prediger) und die beiden Daadener Gemeindepfarrer Steffen Sorgatz und Michael Seim. Alle Fotos: Petra Stroh

Im Abendmahlsgottesdienst, der die Synode eröffnete, griff Prädikant Eckhard von Osten-Sacken (Kirchengemeinde Flammersfeld) in seiner Predigt ebenfalls die Flüchtlingssituation auf.
Bei der Kollektensammlung wurde für die psychosoziale Flüchtlingsarbeit des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis gesammelt. Rund 550 Euro kamen dafür zusammen und unterstützen diese wichtige Aufgabe, die neben Altenkirchen nur zwei andere Stellen im Land leisten.

Partnerschaft wieder neu in den Blick nehmen

Seit 35 Jahren hat der Kirchenkreis eine Partnerschaft mit der „Poste Muku“ in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika. 1997 reisten zuletzt Vertreter aus Altenkirchen dorthin;  danach machten kriegerischer Auseinandersetzungen eine Reise  in die Süd-Kivu-Region unmöglich.
Umso froher war man, dass die direkten Kontakte vor einigen Wochen zumindest mit dem Besuch einer kleinen Delegation wieder möglich waren. Pfarrerin Almuth Germann (Freusburg) und Brigitte Busch (Herdorf) konnten sich einer Delegationsreise des Kirchenkreises Herne nach Bukavu anschließen und somit zumindest tageweise wieder persönliche „Partnerschaftsfäden“ nach Muku knüpfen.
Mit großer Freude waren die beiden Abgesandten dort empfangen worden, und sie brachten vielfältige Erfahrungsberichte zur Synode des Kirchenkreises mit. Ebenso Anregendes für künftige Partnerschaftsarbeit und eine Bilanz bisheriger gemeinsamer Aktionen. So verlangt ein zu Beginn der Partnerschaft vor 35 Jahren angelaufenes Projekt „Manunga – Wasser und Strom für Muku“ mittlerweile nach technischer Überholung. Bedingt durch die politischen und kriegerischen Ereignisse, müssen neue Herausforderungen– auch in der AIDS-Hilfe, Frauen- oder Flüchtlingsarbeit, gemeistert werden.

Almuth Germann und Brigitte Busch

Neben Handwerklichem und Kunstgewerbe hatten Pfarrerin Almuth Germann (links/in einem traditionellen Kleid aus Afrika) und Brigitte Busch viel Berichtenswertes und Nachdenkliches der Synode mitgebracht. Die beiden Frauen waren die ersten, die nach 18 Jahren unfreiwilliger Besucherpause wieder persönliche Partnerschaftsbande knüpfen konnten.

Mit im Gepäck der beiden Afrika-Reisenden befand sich auch Handwerkliches und Kunstgewerbe aus Muku, die Pfarrerin Germann – in traditionellem Kleid aus Muku – vorstellte. Ein besonderes Gastgeschenk, eine Ziege, hingegen übergaben Germann und Busch lieber in ein Frauenhilfe-Projekt vor Ort…
Die beiden Kirchenkreis-Vertreterinnen wollen in den kommenden Wochen und Monaten in Gemeinden und Gruppen ihre Reiseerlebnisse vorstellen und weitere aktive Mitmacher für die Partnerschaftsarbeit gewinnen.
2016 im Frühsommer erwartet man in Altenkirchen dann den Besuch einer Delegation aus Muku. Gemeinsam mit den Gästen will man im bundesweiten Vorbereitungsjahr „Reformation und eine Welt“ besondere Akzente im Kirchenkreis setzen.

Haushalt einstimmig verabschiedet

Rund 5,5 Millionen Euro umfasst der kreiskirchliche Haushalt für 2016, der bei der Kreissynode in Daaden einstimmig verabschiedet wurde. Seit 2014 wird der Haushalt auf Grundlage der neuen KF-VO mit den kaufmännischen Regelungen zum Neuen Kirchlichen Finanzwesen aufgestellt (NKF). Das führt im Vergleich zu bisherigen kameralistischen Buchführungen zu vielschichtigen Änderungen.
Da der kreiskirchliche Haushalt 2015 noch einen  Haushaltsfehlbetrag von rund 200 000 Euro auswies, wurden – trotz gestiegener Einnahmen/Steigerung der kreiskirchlichen Umlage – an verschiedenen Stellen aufgrund der Einsparerfordernisse konsequent Kürzungen vorgenommen. So reduzierte sich der Haushaltsfehlbetrag auf rund 68 000 Euro und wird durch eine Entnahme aus der Haushaltsrücklage finanziert. Das Volumen des ebenfalls verabschiedeten Sonderhaushaltes für das Diakonische Werk Altenkirchen beträgt rund 1,3 Millionen Euro.
Bei den Planungsgrundlagen geht das Verwaltungsamt von Steuereinnahmen von rund 7,9 Millionen bei Kirchenkreis und Gemeinden aus.
Den Gemeinden stehen – nach Abzug der Umlagen und Verteilung der Finanzausgleichsmittel – im kommenden Jahr rund 3,2 % (ca. 142 000 Euro) mehr Mittel zur Verfügung als im aktuellen Haushaltsjahr (knapp 3,3 Millionen Euro).

Pfarrstellen- und Personalkonzept beschlossen

Beschlossen hat die Kreissynode ihr Pfarrstellen- und Personalkonzept für die kommenden Jahre. Dies beschert einerseits allen derzeitigen Mitarbeitenden „Arbeitsplatz-Sicherheit“, aber beinhaltet auch zwingende Handlungsaufträge für die Jahre nach 2018. „Gemeinden und Kirchenkreis werden für die Arbeit vor Ort für die Zukunft schon sehr bald flexible Lösungen suchen müssen“, unterstrich Ilse Sonnentag, Vorsitzende des Strukturausschusses. „Für längerfristige Entscheidungen muss Vieles im Blick sein – auch über den Kirchturm hinaus.“

„Entdeckerzeit“ – neue Aktion eingeläutet

Reformationstuer

Zum Ende der „Entdeckerzeit 2015“ blickte die Synode auf die in den vergangenen Wochen stattgefundenen Ereignisse zurück (dazu auch „Entdeckerzeit 2015“) und startete gleichzeitig eine neue Aktion. Ihre Thesen „Evangelisch sein“ bedeutet für mich…“ hefteten Synodale und Gäste an eine „Reformationstür“. Bis 2017 – dem Doppeljubiläum „500 Jahre Reformation – 200 Jahre Kirchenkreis Altenkirchen“- sollen die Gedanken zu „Typisch evangelisch“ zusammengetragen werden.

Wahlen/Personalia

Hildburg Thomas (Kirchengemeinde Wissen/Foto) wurde von der Synode einstimmig als „stellvertretende Synodalälteste“ in den Kreissynodalvorstand gewählt.

Hildburg Thomas

Ebenso wurden Pfarrer Michael Seim (Daaden) als Vorsitzender des Fachausschuss Kindertagesstätten und Susanne Dapprich (Kirchen)  neu in diesen Ausschuss gewählt.

Ordinationsjubilaeum von Andrea Aufderheide

Vor 25 Jahren (16.9.1990)  wurde Superintendentin Andrea Aufderheide als Pfarrerin ordiniert. Ein Geschenk und Glückwünsche des Kirchenkreises überreichte Assessor Pfarrer Marcus Tesch an die Jubilarin.

Gäste der Kreissynode

Gäste der Kreissynode waren u.a. Landeskirchenrätin Katja Wäller (Düsseldorf/links), Bürgermeister Wolfgang Schneider (VG Daaden-Herdorf) und in ökumenischer Verbundenheit Dechant Rudolf Reuschenbach als Vertreter der katholischen Gemeinden in der Oberkreis-Region. PES.

Landeskirchenraetin Katja WaellerBuergermeister Wolfgang Schneider