Presbyteriumswahlen 2020

Über fast 15 Prozent Wahlbeteiligung freute sich der Kirchener Gemeindepfarrer Eckhard Dierig. Gemessen an den Beteiligungen an politischen Wahlen kann sich das Ergebnis für eine kirchliche Wahl in seinen Augen durchaus sehen lassen.   „Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir im Gemeindeteil Wehbach nicht wählten und auch unsere Mitarbeiterpresbyterin schon als gewählt galt!“

Nur in vier der 15 Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis wurden am ersten März-Sonntag die Leitungsgremien (das Presbyterium) überhaupt gewählt. In den anderen elf Gemeinden gab es im Vorfeld genauso viele Interessierte wie Presbyteriumsstellen. Die gelten dann – nach der kirchlichen Wahlordnung – als gewählt.

Wahlen gab es außer in Kirchen noch in Birnbach, Mehren-Schönberg und Wissen. Während man in Kirchen, Mehren-Schöneberg und Wissen auf eine allgemeine Briefwahl setzten, wollten die Birnbacher ihre Gemeinde vorrangig an die Urne holen und eröffneten nach dem Sonntags-Gottesdienst in der Birnbacher Kirche ihr Wahllokal.

„Trotz eines hohen Briefwahlanteils kamen aber auch noch über 100 Menschen in den Gottesdienst und zur anschließenden Wahl“, zeigte sich Kirchmeister Frank Schumann in Birnbach zufrieden. Bei einer sonntäglichen „Gottesdienst-Besuchs-Quote“ von 3,5 Prozent sind wir mit mehr als 13 Prozent Wahlbeteiligung zufrieden!“ Die meisten Wähler*innen in Birnbach (Frauen und Männer gingen fast gleichauf zur Urne) gehörten der älteren Generation an, „bei der Jugend ist noch Luft nach oben!“.  Für Frank Schumann, der auch als Kreis- und Landessynodaler in den kirchlichen Gremien wirkt, sollten allerdings in Zeiten von gesellschaftlichem Wandel und veränderten kirchlichen Bindungen, die bisherige Wahlpraxis genau in den Blick genommen werden. „Wir müssen nachdenken, wie wir angesichts von vielen Gemeinden ohne Wahlen eine transparente Form der Legitimierung der Presbyteriumsmitglieder hinbekommen und wie wir eine demokratische Form finden, die organisatorisch und finanziell tragbar ist!“

 Nach dem Gottesdienst in Birnbach gab es lange Schlangen vor der Wahlurne. (Fotos: Petra Stroh)

„Fast die Hälfte unseres Presbyteriums wurden neu besetzt“, bilanziert Eckhard Dierig (Kirchen). Generationenwechsel sind eine Ursache, aber auch „neue“ und jüngere Menschen, die sich einbringen wollen und gewählt wurden. Auf das neue Kirchener Presbyterium warten spannende Aufgaben: Spätestens in zwei Jahren wird eine Fusion mit der Nachbargemeinde Freusburg angestrebt und fordert viel Teamwork und Engagement.

Die Fusion haben die Kirchengemeinden Mehren und Schöneberg schon geschafft. Seit 1. Januar sind sie zur Evangelischen Auferstehungsgemeinde Mehren-Schöneberg vereint und wählten dafür nun zum ersten Mal ein neues Presbyterium. Gemeinsam werden nun Menschen aus den bisherigen Kirchengemeinden die Gemeindegeschicke leiten. Dass auch die „Mischung“ stimmt, ist für Gemeindepfarrer Bernd Melchert wichtig. Dazu hatte man im Vorfeld zwei Wahlbezirke (für Mehren und Schöneberg) eingerichtet. Mit einer Wahlbeteiligung von über 26 Prozent bestätigten die Mitglieder der neuen Gemeinde ihre jahrzehntelang praktizierte Wahlfreudigkeit fort. „Ich freue mich, dass wir nun ein gemeinsames Presbyterium haben und effektiv arbeiten können – auch mit Blick auf neuen Herausforderungen und die Zusammenarbeit in der Region“, unterstreicht Pfarrer Melchert.

„Die Gemeinde hat sich bei der Wahl dafür entschieden, dem Presbyterium ein deutlich jüngeres Gesicht zu geben“: Für Gemeindepfarrer Marcus Tesch aus Wissen wird damit ein gutes und hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft gesetzt.

Tesch, wie auch die anderen Pfarrer in deren Gemeinden gewählt wurden,  gratulierten den künftigen Presbyteriumsmitgliedern, zeigten sich aber auch dankbar für all diejenigen, die nicht kandidiert haben und nicht gewählt wurden!

Das Wahlteam in Wissen ging engagiert und mit viel Sorgfalt ans Werk (Fotos: Tesch)

Das Presbyterium ist das Leitungsgremium einer Kirchengemeinde, das alle vier Jahre neu gewählt wird. Diese Wahl hat einen wichtigen Stellenwert in der rheinischen Kirche: In einer demokratischen Wahl werden Laien dazu bestimmt, gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern die Kirchengemeinde zu leiten. Sie geben ihrer Gemeinde Gesicht und tragen große Verantwortung, indem sie Schwerpunkte und Aufgaben der Gemeindearbeit festlegen sowie über Finanzen und Personal entscheiden.

Mehr als 140 Stellen (neben den Presbyteriumsmitgliedern gibt es zusätzlich noch gewählte Mitglieder im Gremium, die aus den Reihen der Mitarbeiterschaft kommen) waren im Kirchenkreis Altenkirchen insgesamt zu besetzen. Etliche weniger als noch bei den Wahlen 2016. 12 Gemeinden haben im Vorfeld der Wahlen 2020 die Zahl ihrer Presbyteriumsstellen reduziert und an die aktuellen Gemeindeglieder angepasst.

Trotzdem werden nun in vier Gemeinden (Betzdorf, Daaden, für Kirchen – im Wahlbezirk Wehbach -und Hilgenroth) Plätze in den neuen Presbyterien freibleiben:  Es fanden sich nicht genügend Kandidatinnen und Kandidaten.

Hier die Ergebnisse aus den Kirchengemeinden mit den gewählten Presbyter*innen (in alphabetischer Reihung) – incl. der Mitarbeiter-Presbyter*innen (MP).

Die Wahlen sind ist erst gültig nach dem Ende der Einspruchsfrist und durch die offizielle Einführung (entweder am Sonntag, 22. oder am Sonntag, 29. März!)

 Almersbach:

Kowalski, Michaele; Löhr, Ina; Ludwig, Matthias; Otto Dr., Jens; Azad, Markus Abbas Rasoulian und Schüler, Oswald

Altenkirchen:

Becker, Heinz-Wolfgang; Becker Dr. Kristianna; Fuchs Heike; Henn, Barbara; Hering, Dietmar; Käsgen, Renate; Krämer Dr. Christoph; Lauterbach-Buchner, Elke; Müller, Claudia (MP); Radmer, Gabriele; Schmid-Leibrock, Martin; Thiel-Schmidt, Ulrike; Thomas, Ernst Walter; Weinstock, Mark; Wendt, Diana (MP) und Wengenroth-Schäfer, Bettina.

Betzdorf:

Ansari Pirsarei, Shahnam; Collins, Gisela; Enners-Vogel, Anke; Krug, Edith; Kölzer, Reinhard;  Pfesdorf Günter;  Rau, Katharina (MP); Schmidt, Tobias; Stephan, Jan Philipp; Weinkopf, Ingrid und Weiß, Siegfried Eckart (MP).

Birnbach: 

Barth, Anja; Birkenbeul, Ralf; Giese, Anna; Gutacker, Hartmut; John, Marianne; Schneider, Clivia (MP); Schüller, Reiner; Schumann, Frank; Stroh, Alfred (MP); Vogel, Christa; Völz, Lothar und Waßmuth, Erhard.

Daaden:

Benckert, Ralf (MP); Dielmann, Bettina; Geduldig, Alfred; Heidrich, Nicole; Hering, Volker; Humpl, Julian; Jung, Brigitte; Klein, Ute;  Pottmann, Barbara (MP); Strunk, Nils und Waldow, Hella.

Flammersfeld:

Baumann, Ingrid; Bay, Tatjana; Dahm, Klaus; Diels, Beate; Grimpe, Sebastian; Hickmann, Irmhild; Lobitz, Edgar; Oschatz, Heike; Pick, Manfred; Saynisch, Clarissa; Schumann, Elke; Schumann, Werner; Seifen, Paul und Breitenbach, Renate (MP).

Freusburg:

Dreisbach, Klaus; Geisler, Brigitte; Huft, Dieter; Lange, Burkhard; Sander, Ulrike; Schünemann, Anja.

Friedewald:

Buhl, Karl-Heinz; Flick, Waltraud; Hees, Ulrich; Patt, Wolfram; Stötzel, Annegret (MP); Uhr, Rainer und Weyand, Lothar.

Gebhardshain:

Brenner, Silke; Diehl-Fuchs, Brigitte; Graf, Fiona; Krupp, Jürgen; Puderbach, Kerstin; Seibert, Tanja; Stockschlaeder, Ellen; Stum, Toni und Zöller, Hermann.

Hamm:

Czarnetzki Dr., Bernd; Donner De Sousa, Anja; Geldsetzer, Manfred; Heyden, Edith; Lützenkirchen, Susanne; Meyer, Ulla; Schmalzbauer, Astrid; Paul, Sergej; Fuchs, Sonja (MP) und Hoffmann, Bernhild (MP).

Herdorf-Struthütten:

Lopata, André; Kipping, Liliana; Schmidt, Birgit; Schupp, Guido; Trapp, Birgit; Wallmeroth, Brigitte und Scheld, Arno (MP).

Hilgenroth:

Bley, Beatrix; Henn, Hannelore; Roßbach, Annette; Roßbach, Reinhild; Schumacher, Kurt; Weber, Eckhard und Schürdt, Heike (MP).

Kirchen: 

Dapprich, Susanne; Haas, Alexander; Lanfer, Michael; Lieth, Monika; Mohr, Kerstin; Schneider, Frank; Schüttendiebel, David; Seeger, Bernd und von Kneten, Svenja (MP).

Mehren-Schöneberg: 

Asbach, Burkhard; Bettgenhäuser, Petra; Bohne-Klein, Christa; Dieck, Peter; Grollius, Andrea; Haas, Andreas; Jacobsen, Kerstin; Schmidt, Manfred; Lindscheid, Karola (MP) und Zimmermann, Erika (MP).

Wissen:  

Beisteiner, Ulrich; Deger, Sandra; Hammann, Arnim; Höblich, Kurt; Jeckel, Tatjana; Koslowski, Stephanie; Laumann, Jürgen und Thomas, Hildburg, sowie Riethmüller, Adelheid (MP) und Spille, Svenja (MP).

 

6909 Presbyterinnen und Presbyter leiten künftig rheinische Gemeinden

Vorläufiges Endergebnis der Wahlen vom vergangenen Sonntag – Landeskirchliche Bilanz

Düsseldorf (5. März 2020). 74.487 Männer und Frauen haben am vergange-nen Sonntag bei den Presbyteriumswahlen in der Evangelischen Kirche im Rheinland ihre Stimme abgegeben. Mehr als 790.000 Wahlberechtigte waren aufgerufen, die Leitungsgremien ihrer Kirchengemeinden für die nächsten vier Jahre neu zu besetzen.

Wahlbeteiligung betrug 9,4 Prozent

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung lag damit bei 9,4 Prozent. Das geht aus dem vorläufigen Endergebnis hervor, das die Stabsstelle Controlling des Lan-deskirchenamts heute vorgelegt hat. Die Spannbreite bei der Wahlbeteiligung reicht in den 37 Kirchenkreisen zwischen Niederrhein und Saarland, dem Aachener Grenzland und dem kleinen rheinischen Kirchengebiet in Hessen von 4,4 bis zu 26,6 Prozent. Dabei liegt die Beteiligung in eher ländlich geprägten Gebieten traditionell höher als in Großstädten.

6909 Presbyterinnen und Presbyter

Nicht in allen der 668 Gemeinden wurde im Sinne einer Auswahl gewählt. In knapp 30 Prozent der Gemeinden standen weniger Kandidatinnen und Kandi-daten als Plätze im Presbyterium zur Verfügung. In diesen Fällen gelten die Kandidierenden gemäß der rheinischen Kirchenordnung als gewählt. Insgesamt wurden 6909 Plätze für Presbyterinnen und Presbyter besetzt, darunter 740 für Mitarbeitende, die in den Leitungsgremien der Kirchengemeinden vertreten sind. Die Wahl stand unter dem Motto „Gemeinde mit mir“. (Quelle: EKiR/Pressestelle)