Seit dem neuen Jahr vereint

Mit Beginn des Jahres 2020 hat der Kirchenkreis Altenkirchen nur noch 15 statt bislang 16 Kirchengemeinden. Die beiden Unterkreis-Gemeinden Mehren und Schöneberg sind zur „Evangelischen Auferstehungsgemeinde Mehren-Schöneberg“ vereint.

„Wir haben so den Namen der Kirche von Schöneberg („Evangelische Auferstehungskirche Schöneberg“) aufgenommen und wollen deutlich machen, dass Fusion kein Abbau von Kirchengemeinden bedeutet, sondern ganz unter dem Vorzeichen dessen stehen darf, dass unser Glaube immer von einem Neuanfang geprägt ist – und somit auch die strukturellen Veränderungen innerhalb unserer Kirche“. So beschreibt Pfarrer Bernd Melchert als Gemeindepfarrer der neuen Gemeinde die Gedanken der Mitwirkenden.

Mehrere Fusionen zum 1.1.2020 in der Landeskirche

Durch 14 Gemeindefusionen zum Jahreswechsel wurden aus den bislang 687 Kirchengemeinden im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland dann 668 Kirchengemeinden. Insgesamt 34 evangelische Gemeinden bzw. Teile von ihnen sind an den Zusammenschlüssen beteiligt, mit denen die Presbyterien (Leitungsgremien) die Weichen für die Zukunft stellen und Kräfte bündeln. Sieben Fusionen finden in Nordrhein-Westfalen statt, fünf in Rheinland-Pfalz und zwei in Hessen.

Im Nachbar-Kirchenkreis „An der Agger“ haben sich die Kirchengemeinden Hülsenbusch und Kotthausen zur Kirchengemeinde Hülsenbusch-Kotthausen zusammengeschlossen.

 

Im Kirchenkreis Altenkirchen wird weitere Fusion vorbereitet

Für Ende 2021 ist eine weitere Fusion von Kirchengemeinden in Vorbereitung. Bis zum 31. Dezember 2021 – das ist auch der voraussichtliche Termin an dem Pfarrerin Almuth Germann und Pfarrer Eckhard Dierig in den Ruhestand gehen – wollen sich Kirchen und Freusburg vereinen. Hintergrund, so eine Erklärung der beiden Presbyterien, ist, dass künftig für keine der beiden Gemeinden noch eine „volle“ Gemeindepfarrstelle vorgesehen ist. Schon zu einem früheren Zeitpunkt wollen die beiden Gemeinden ihre Liturgie vereinheitlichen und sich auch anderen Fragen des Miteinanders stellen.

Wie soll die neue Gemeinde heißen?

Die Presbyterien in Kirchen und Freusburg haben beschlossen, dass sie die Mitglieder der Gemeinden in den Findungsprozess für einen Namen der neuen Gemeinde einbinden, ebenso bei der Gestaltung eines neuen Gemeindesiegels. Bis zum Jahresende werden noch Vorschläge entgegengenommen

 

Hintergründe zur Fusion Mehren-Schöneberg

Dass es zu der Fusion der beiden Kirchengemeinden kam (Mehren mit rund 1000 Mitgliedern und Schöneberg mit rund 800 Mitgliedern), hat eine lange Vorgeschichte. Pfarrer Bernd Melchert hat sie für seinen Bericht an die Kreissynode so zusammengefasst:

 

Fusion der Kirchengemeinden Mehren und Schöneberg – Was lange währt, wird endlich gut.

Nachdem 2010 der Schöneberger Gemeindepfarrer Pfarrer Bernd Henrich in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, habe ich als Mehrener Gemeindepfarrer die Vakanz-Vertretung für Schöneberg übernommen. Als klar war, dass eine Wiederbesetzung der Pfarrstelle im Dienstumfang von 50% nicht erfolgen würde, habe ich mich bereit erklärt, meinen 25%igen Dienstauftrag in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen innerhalb des Ev. Kirchenkreises Altenkirchen aufzugeben und Schöneberg mit 50% meiner Arbeitszeit pfarramtlich mit zu versorgen. Daher sind die Kirchengemeinden Mehren und Schöneberg seit 2011 pfarramtlich verbunden, was wiederum bedeutete, dass Mehren seitdem statt 75% lediglich ein Anrecht auf einen 50%igen Anteil des Pfarrdienstes hatte. Über eine lange Zeit hinweg gab es eine Doppelung von Strukturen und verwaltungstechnischen Aufgaben – positiv ausgedrückt: wiederum aber auch die Möglichkeit, vertrauensbildende Maßnahmen sowohl zwischen den Presbyterien als auch den einzelnen Bereichen der Gemeindearbeit einzuleiten und zu ermöglichen.

Die vergangenen Monate waren nun vor allem von den Vorbereitungen zur Fusion geprägt, die letztlich viel unkomplizierter waren als vorher gedacht. Von daher können wir alle Gemeinden, die sich in diesen Überlegungen befinden, nur ermutigen „vom Ziel her zu denken“ und möglichst schnell das umzusetzen, was eh nicht abwendbar ist, da sonst wertvolle Zeit und Energie in Fragen der Struktur und der Organisation gelegt wird – statt in Inhalte und tatsächliche pfarramtliche und gemeindliche Tätigkeit. Gemeindeglieder waren oft schon viel weiter im Denken – im Sinne von „Wir sind doch schon eine Gemeinde!“ als wir es gedacht haben. Und diejenigen, die mit einer Zusammenlegung unzufrieden waren, müssen ihre Unzufriedenheit ja auch nicht über Jahre hinweg noch genährt bekommen und in diesem Zustand der unsicheren Unzufriedenheit belassen werden, wenn es eh klar ist „wohin die Reise geht!“

Die neugegründete Kirchengemeinde erhält nun den Namen: „Ev. Auferstehungsgemeinde Mehren-Schöneberg“. Wir haben so den Namen der Kirche von Schöneberg („Ev. Auferstehungskirche Schöneberg“) aufgenommen und wollten auch deutlich machen, dass Fusion kein Abbau von Kirchengemeinden bedeutet, sondern ganz unter dem Vorzeichen dessen stehen darf, dass unser Glaube immer von einem Neuanfang geprägt ist – und somit auch die strukturellen Veränderungen innerhalb unserer Kirche.

Für die anstehende erste Presbyteriumswahl (1.3.2020) in der neuen Kirchengemeinde haben wir zwei Wahlbezirke eingerichtet mit jeweils vier Presbytern /Presbyterinnen. Ferner werden dem Presbyterium je eine Mitarbeiterpresbyterin aus den Bezirken angehören und natürlich der Pfarrstelleninhaber. Wir machen eine Briefwahl.

Beim Siegelentwurf erhielten wir großartige Unterstützung von Claudia Klein-Adorf, Mitglied der Kirchengemeinde Birnbach und zugehörig zu unserem gemeinsamen Redaktionsteam.

Der ganze „verwaltungstechnische Akt“ ist letztlich nur die Konsequenz aus der bereits gelebten Fusion:

So genehmigte uns das Landeskirchenamt im Rahmen der „Erprobungsräume“, dass pro Sonntag nur ein Gottesdienst gefeiert wird, was auch zur Vernetzung und zur Zusammengehörigkeit der beiden Bereiche unserer Kirchengemeinden führte.

Ebenso war mein Selbstverständnis als Pfarrer von Mehren und Schöneberg von Anfang an so, dass mein Dienst in der einen Gemeinde Jesu Christi sich auch im konkreten Gemeindeverständnis ausdrückte und ich damit immer das Verbindende zwischen den einzelnen Teilen gesucht (und gefunden!) habe – zumal es viele verwandtschaftliche Beziehungen hier im Westerwald gibt, die auch nicht an den kirchengemeindlichen Grenzen Halt gemacht haben.

In den gemeinsamen Konfirmandenkursen von Mehren und Schöneberg treffen sich etliche Jugendliche aus Mehren und Schöneberg, die sich schon längst durch die Schule kennen. Und nicht selten kennen sich bereits die Eltern über die Gemeindegrenzen hinweg durch Geburtsvorbereitungskurse oder aber durch das Vereinsleben. Die Übernachtungswochenenden der Konfis in den jeweiligen Gemeindehäusern oder bei der Church Night in Mehren (31.10. auf 1.11) dienten ebenso dazu allen Beteiligten deutlich zu machen: „Das sind jetzt unsere Orte.“

Ebenso gehören wir ja zum Jugendverband unserer Region und „teilen“ uns mit Birnbach und Flammersfeld unseren Jugendleiter, dem die Vernetzung von Konfirmanden- und Jugendarbeit sehr am Herzen liegt und der sich engagiert ins Gemeindeleben einbringt.

Nach außen hin traten wir durch den gemeinsamen Gemeindebrief in Erscheinung, der deutlich machte: „Wir gehören zusammen!“ Die Zusammengehörigkeit auch mit den anderen Kirchengemeinden unserer Region wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass wir seit März 2018 den Gemeindebrief nunmehr ebenfalls mit Birnbach herausgeben.

Zum 1.1.2019 haben wir den Friedhof Mehren in kommunale Trägerschaft überführt, welches eine überaus große Entlastung darstellt und auch im Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Region geschah.

Am 31.12.2019 werden nun die Ev. Kirchengemeinden Mehren und Schöneberg aufgelöst! Am 1.1.2020 aber wird mit dem Glockengeläut in der Silvesternacht die neue „Ev. Auferstehungsgemeinde Mehren Schöneberg“ ins Leben gerufen!

Hier gilt mein herzlichster Dank unseren Presbyterien, die nach anfänglichem Misstrauen, sehr herzlich aufeinander zugegangen sind. So machen wir schon seit langem nur noch gemeinsame Presbyteriumssitzungen. Außerdem laden sich die Presbyterien gegenseitig zu den Weihnachtsfeiern ein oder machen gemeinsame Ausflüge. Ebenso danken wir dem KSV und Superintendentin Andrea Aufderheide und nicht zuletzt den einzelnen Gemeindegliedern sehr herzlich für die wohlwollende Begleitung in diesem Prozess.

Als Kirche gehören wir dem Herrn der Kirche und dürfen im Loslassen unserer Sorgen und dem Kreisen um uns selbst lernen, was heißt: Gott allein zu vertrauen und mutig Schritte in die Zukunft zu gehen. In diesem Sinne dürfen wir hinter allen Veränderungen auch denjenigen erkennen, der seine Kirche durch die Zeit führt und dem wir nachfolgen dürfen. GOTT sei Dank!

Bernd Melchert, ist nun Pfarrer der Evangelischen Auferstehungsgemeinde Mehren-Schöneberg