Eine Tasse Menschlichkeit – Männerarbeit startet Kaffeesammlung für die Bahnhofsmission

Eine offene Tür, Jemand der zuhört – und eine heiße Tasse Kaffee. Für viele Menschen, die eine Bahnhofsmission aufsuchen, sind es gerade diese einfachen Dinge, die an einem schwierigen Tag guttun.

Unter dem Motto „Eine Tasse Menschlichkeit“ ist an Erntedank eine Kaffeesammelaktion der Männerarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen gestartet. Zum Auftakt waren Günter Papst, Leiter der Bahnhofsmission Koblenz, und Thorsten Bienemann, Männerbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen und Initiator der Aktion, im Erntedankgottesdienst in Daaden zu Gast. Gemeinsam stellten sie die Arbeit der Bahnhofsmission und die Idee hinter der Sammlung vor.

Für Bienemann ist die Unterstützung der Bahnhofsmissionen inzwischen zu einem festen Bestandteil seiner Arbeit als Männerbeauftragter geworden. Bereits vor fünf Jahren hatte er dazu eine erste Initiative gestartet. Dabei blieb es nicht beim Sammeln von Sachspenden. Bienemann suchte auch den persönlichen Kontakt zu den Menschen vor Ort und fragte nach, was tatsächlich gebraucht wird.

Daraus sind inzwischen gute Kontakte zu verschiedenen Bahnhofsmissionen entstanden, unter anderem im Ruhrgebiet. Die Situation ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich, viele Herausforderungen sind aber ähnlich.

Bundesweit gibt es 105 Bahnhofsmissionen, in Rheinland-Pfalz sind es gerade einmal zwei – in Koblenz und Trier. Die Koblenzer Einrichtung ist damit eine wichtige Anlaufstelle weit über die Stadt hinaus.

Günter Papst berichtete im Gottesdienst, dass die Zahl der Besucherinnen und Besucher der Koblenzer Bahnhofsmission in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sei. Mittlerweile kommen jährlich mehr als 17.000 Menschen.

Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Manche benötigen konkrete Unterstützung, andere suchen Rat oder Orientierung. Einige brauchen einen geschützten Ort, ein Gespräch oder einfach Jemanden, der ihnen zuhört.

Kaffee gehört in der Bahnhofsmission ganz selbstverständlich dazu. Wer eine Tasse angeboten bekommt, bleibt vielleicht einen Moment, setzt sich hin – und manchmal entsteht daraus ein Gespräch.

„Mit einem Päckchen Kaffee lösen wir natürlich nicht die Probleme eines Menschen. Aber vielleicht beginnt mit dieser Tasse ein Gespräch. Jemand merkt: Hier werde ich gesehen, hier hört mir jemand zu, hier werde ich wertgeschätzt. Genau darum geht es bei unserer Aktion“, machte Bienemann deutlich.

Papst bedankte sich im Gottesdienst bei Bienemann und der Männerarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Und er sprach zugleich eine ganz persönliche Einladung aus: wer wissen wolle, was Bahnhofsmission bedeute, solle einfach einmal in Koblenz auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen.

Die Aktion „Eine Tasse Menschlichkeit“ läuft ab dem Erntedankfest am 4. Oktober vier Wochen lang. Gesammelt wird gemahlener Kaffee, der in den Gemeindebüros der evangelischen Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen oder bei den Gottesdiensten abgegeben werden kann.

Gerade mit Blick auf die bevorstehenden Wintermonate werden die Kaffeespenden gebraucht. Bienemann hofft deshalb, dass sich viele Menschen beteiligen: „Niemand muss dafür etwas Großes tun. Wenn viele jeweils ein Päckchen Kaffee geben, wird daraus am Ende eine beachtliche Hilfe.“

Im Matthäusevangelium heißt es: „Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“ für Bienemann passt die Aktion auch deshalb zum Erntedankfest: dankbar wahrzunehmen, was man selbst hat, und dabei diejenigen nicht aus dem Blick zu verlieren, denen es am Nötigsten fehlt.

Text: Thorsten Bienemann