„Aufrichten und ausrichten“: Marcus Tesch übernimmt Leitung des Kirchenkreises Altenkirchen
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Evangelischen Christuskirche Altenkirchen ist am Sonntag, 23. August, Superintendentin Pfarrerin Andrea Aufderheide aus ihrem Amt verabschiedet worden. Zugleich wurde Pfarrer Marcus Tesch als ihr Nachfolger und neuer Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen eingeführt. Rund 250 Menschen nahmen an der Feier teil. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das biblische Leitwort aus Josua 1,9: „Sei stark und mutig! Fürchte dich nicht und erschrick nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst.“
Geleitet wurde der Gottesdienst von Assessorin Pfarrerin Kirsten Galla. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen und der Posaunenchor. Beide Ensembles wurden durch Mitglieder aus der Evangelischen Kirchengemeinde Wissen, der Gemeinde von Marcus Tesch, erweitert. Unter der Leitung von Kreiskantorin Hyejoung Choi und unter Mitwirkung von Kreiskantor Simon Schumacher aus dem Kirchenkreis Wied erklangen Werke unter anderem von Charles Gounod, Helmut Walcha und César Franck. Den musikalischen Abschluss bildete Felix Mendelssohn Bartholdys „Verleih uns Frieden“.

Würdigung für 17 Jahre Leitung
Präses Dr. Thorsten Latzel würdigte Andrea Aufderheide in seiner Ansprache für ihr vielfältiges Wirken auf allen kirchlichen Ebenen. Aufderheide habe den Kirchenkreis seit 2009 mit klarer geistlicher Haltung geleitet und sich dabei stets als Lernende verstanden.
Auch ihr Wirken als Pfarrerin im Schuldienst an einer berufsbildenden Schule sei Ausdruck einer inneren Berufung gewesen, so Latzel. Schule habe sie immer als „Kirche an einem anderen Ort“ verstanden.
Andrea Aufderheide hat den Fusionsprozess der Kirchenkreise Altenkirchen und Wied maßgeblich mit angestoßen. Der Zusammenschluss soll zum 1. Januar 2028 vollzogen werden. „Mir war wichtig, die entscheidenden Weichen für die Zukunft des Kirchenkreises noch selbst zu stellen“, hatte sie anlässlich ihres Ruhestands erklärt. Sie verabschiede sich mit großer Dankbarkeit und sei besonders den Menschen verbunden, die Kirche mit Glauben, Engagement und Herz gestalteten.

„Pfarrberuf als der schönste überhaupt“
Bei der Einführung von Marcus Tesch hob Präses Latzel dessen langjährige Erfahrung und persönliche Kompetenz hervor. Tesch ist seit 2002 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wissen und damit seit fast 25 Jahren als Gemeindepfarrer tätig. Latzel beschrieb ihn als feinfühligen Alltagsseelsorger, der „Kirche mitten hinein ins Leben versetzt“. Sein Blick richte sich nach vorne: Unter dem Motto „Aufrichten und ausrichten“ will Marcus Tesch die rund 16 Monate bis zum Zusammenschluss der Kirchenkreise Altenkirchen und Wied gestalten.



In seiner anschließenden Predigt sprach Marcus Tesch frei über das Pauluswort: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.“ Die menschliche Schwachheit sei kein Makel, sondern gehöre zum Menschsein: „Perfektion ist immer gleich“, sagte Tesch. Wer Jesus Christus folge, werde „niemals zu hoch, aber auch niemals zu niedrig von sich denken“.
Mit Blick auf sein neues Amt warb Tesch für einen offenen und barmherzigen Umgang miteinander: „Lasst uns ehrlich sein miteinander, nicht hinter Fassaden verstecken und Barmherzigkeit üben.“ Gnade müsse gerade auch im täglichen Miteinander Gestalt gewinnen.
Deutlich bezog Tesch zudem Stellung gegen Menschenverachtung und Unmenschlichkeit. Es brauche eine „Brandmauer“ – auch wenn das Wort inzwischen etwas abgenutzt sei – gegen alles, was den Wert des Menschen missachte. Christinnen und Christen müssten sich gerade den Menschen zuwenden können, die am Rand stünden und als die „Niedrigsten“ angesehen würden. Seine eindringliche Predigt bewegte die Gottesdienstgemeinde und wurde mit langanhaltendem Applaus bedacht.

Dank und gute Wünsche bei der Feierstunde
Im Anschluss an den Gottesdienst fand in der festlich geschmückten Stadthalle Altenkirchen ein Empfang statt. Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft würdigten Andrea Aufderheide und begrüßten Marcus Tesch in seinem neuen Amt.
Grußworte sprachen Superintendent Hartmut Sitzler vom Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill, der zugleich als Mitglied der Kirchenleitung die Perspektive der rheinischen Kirche einbrachte, sowie Tobias Gerhardus, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Altenkirchen, in Vertretung des Landrats. Für den Kirchenkreis Altenkirchen sprach Assessorin Kirsten Galla.
Weitere Grußworte kamen von Fred Jüngerich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, Stadtbürgermeister Ralf Lindenpütz, Pfarrer Philip Horn, Assessor des Kirchenkreises Wied, sowie von Regine Wald vom Bistum Trier und Kreisdechant Martin Kürten vom Erzbistum Köln. Jüngerich sagte mit Blick auf den neuen Superintendenten: „Ich schenke Ihnen mein vollstes Vertrauen.“ Frank Schumann aus der Friedensgemeinde im Raiffeisenland überbrachte die Grüße aus der Perspektive der Gemeinden sowie der Prädikantinnen und Prädikanten.
Andrea Aufderheide und Marcus Tesch dankten den Rednerinnen und Rednern sowie allen, die den Gottesdienst und den anschließenden Empfang vorbereitet und gestaltet hatten. Aufderheide blickte bewegt auf ihre Amtszeit zurück. Tesch verband seinen Dank mit einem Ausblick auf die gemeinsame Arbeit in der Übergangszeit; einen persönlichen Akzent setzte er, indem er seinen Enkel mit auf die Bühne nahm.