Hilfe in Ausnahmesituationen – Notfallseelsorger für den Kreis Altenkirchen werden beauftragt

Sie begleiten Menschen in Ausnahmesituationen: nach schweren Unfällen, beim plötzlichen Kindstod, nach Suiziden oder bei der Überbringung von Todesnachrichten. Doch sie sind weder Rettungs- noch Polizeikräfte, sie sind Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger, die „erste Hilfe für die Seele“ leisten. 15 Frauen und Männer, die dieses Amt ehrenamtlich ausführen, werden am Samstag, 22. August um 17 Uhr in der Kirche St. Michael (Kirchstraße) in Kirchen im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes offiziell zu ihrem Dienst beauftragt.

Bisher wurde die Notfallseelsorge im Raum Altenkirchen von Hauptamtlichen auf katholischer und evangelischer Seite getragen. Doch dies wurde aus personellen Gründen in den vergangenen Jahren immer schwieriger, so Regine Wald. „Um das Angebot verlässlich anbieten zu können, haben wir uns dazu entschieden, interessierten Personen eine Ausbildung zur Notfallseelsorge zu ermöglichen“, berichtet Wald, die selbst diese Zusatzqualifizierung absolviert hat und als Notfallseelsorgerin tätig war.

Die Anzahl der Personen, die der Einladung zu einem Informationsabend gefolgt waren, überraschte Wald und ihre Ausbildungskollegin Pfarrerin Kirsten Galla. Nach Einzelgesprächen starteten mehr als zehn Personen in die 112-stündige Ausbildung. Dieser Herausforderung stellt sich auch Brigitte Mockenhaupt-Weber. Sie habe schon länger mit dem Gedanken gespielt und diesen kurz nach ihrem Eintritt in die Rente umgesetzt. Die Elkenrotherin hat 25 Jahre bei der Caritas gearbeitet; andere Teilnehmende kommen aus der Altenpflege, waren beim Verfassungsschutz oder sind Sozialarbeiterinnen; viele von ihnen sind auch noch berufstätig. „Durch unsere unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Erfahrungen haben wir verschiedene Zugänge zu den Betroffenen“, erklärt Mockenhaupt-Weber. Aber die Gruppe eint, dass sie für Menschen in Not da sein wollen.

Fundierte Ausbildung

Es zählt, da zu sein, mit auszuhalten, Stille zu ertragen. „Die Notfallseelsorge kann aber auch die Arbeit der Rettungskräfte oder Polizei erklären, warum das Kinderzimmer beim Verdacht auf einen plötzlichen Kindstod wie ein Tatort behandelt wird oder die verstorbene Person gerade nicht angefasst werden darf“, so Wald. Um dies gut vermitteln zu können, stand auch der Besuch einer Polizeidienststelle auf dem Ausbildungsplan, Gespräche mit der Feuerwehr und ein Tag in der Leitstelle. Das Wissen um die Abläufe ist wichtig, „denn die Alarmierung erfolgt ausschließlich über die Leitstelle“, erklärt Wald.

Zudem gab es Einblicke in die Psychotraumatologie und Gesprächsführung, Informationen zur Schweigepflicht, „aber wir widmeten uns auch Gebeten und Ritualen“, fügt Wald hinzu. Diese könnten Teil der eigenen Psychohygiene oder auch ein Angebot für die Betroffenen sein. „Der eigene Glaube kann bei diesem Dienst enorm entlasten, denn ich weiß, da ist jemand, der mich bei meinem Einsatz unterstützt und mir dabei hilft, diesen zu verarbeiten“, weiß Wald. „In Bezug auf Betroffene kommt es auf Sensibilität an, ob der Person ein gemeinsames Gebet helfen könnte“, berichtet Wald, die Teil des Leitungsteams des Pastoralen Raums Betzdorf ist. „Dabei geht es keinesfalls darum, anderen den christlichen Glauben aufzudrängen“, betont sie. Doch unabhängig von der Nähe zur Kirche oder Religion seien viele für einen Segen dankbar.

Eine sinnstiftende Aufgabe

„Ich ziehe meinen Hut vor den Ehrenamtlichen, die ihre Zeit in dieses intensive Engagement einbringen“, betont Wald. „Die Nähe zu Menschen in ihrer größten Not ist eine sinnstiftende Aufgabe“, sagt Mockenhaupt-Weber, die sich gerade noch in der Hospitationsphase ihrer Ausbildung befindet. Über weitere Kolleginnen und Kollegen, die Teil des Notfallseelsorge-Teams werden möchten, würden sich Mockenhaupt-Weber, Wald und Galla freuen – und auch für die Menschen im Kreis wäre dies ein Gewinn, wenn sich weitere Personen finden, die in Notfällen „erste Hilfe für die Seele“ leisten.

Im kommenden Jahr soll es wahrscheinlich einen nächsten Ausbildungskurs geben. Weitere Informationen hierzu und zur Notfallseelsorge gibt es bei Gemeindelreferentin Regine Wald per E-Mail an regine.wald@bistum-trier.de und telefonisch unter Tel.: 0175 4821886 oder bei Pfarrerin Kirsten Galla, per mail an kirsten.galla@ekir.de und telefonisch unter 0176 72237756.

Träger der Notfallseelsorge ist der Kreis Altenkirchen, der die katholischen Kirchen im Bistum Trier und Köln und die evangelische Kirche im Kreis Altenkirchen mit der Umsetzung, Ausbildung und Ausführung beauftragt hat. . (jf)

Stichwort: Notfallseelsorge

Im Jahr 2025 wurden bundesweit rund 32.000 Einsätze durchgeführt – durchschnittlich mehr als 80 pro Tag – dies gaben die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland im Juni bekannt. Mehrere Tausend Ehrenamtliche sowie hauptamtlich Mitarbeitende begleiten Betroffene nach schweren Unfällen, plötzlichen Todesfällen, Naturkatastrophen und anderen belastenden Ereignissen. Die Notfallseelsorge ist Teil der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) in Deutschland. Sie arbeitet eng mit Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehren und weiteren Hilfsorganisationen zusammen. Die ökumenische Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche prägt den Dienst seit vielen Jahren und gewährleistet ein flächendeckendes Angebot für Menschen in akuten Krisensituationen.