Neustart vor der Fusion: Synode wählt Marcus Tesch mit großer Mehrheit zum Superintendenten
Mit einem überragenden Ergebnis ist der Wissener Gemeindepfarrer Marcus Tesch auf einer außerordentlichen Synode des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen zum Nachfolger der im August ausscheidenden Superintendentin Andrea Aufderheide gewählt worden. Der 58-Jährige erhielt von den 51 wahlberechtigten Synodalen 49 Ja-Stimmen. Mit dieser Entscheidung stellt sich der Kirchenkreis personell neu auf – 22 Monate vor dem geplanten Zusammenschluss mit dem benachbarten Kirchenkreis Wied – und geht mit einem veränderten Team in die weiteren Fusionsvorbereitungen.

Durch den Rückzug des Berufsschulpfarrers Stefan Turk zum 1. März, bislang Skriba des Kirchenkreises (zweiter stellvertretender Theologe im Leitungsgremium, dem Kreissynodalvorstand – KSV), waren bei der Sondersynode weitere Personalentscheidungen erforderlich. Der im November zum stellvertretenden Skriba gewählte Altenkirchener Gemeindepfarrer Martin Göbler wurde nun zum Skriba gewählt. In die dadurch frei gewordene Stellvertreterposition wählte die Synode Jurij Lange, Pfarrer der neuen Friedensgemeinde im Raiffeisenland (hervorgegangen aus den Kirchengemeinden Birnbach, Flammersfeld und Mehren-Schöneberg, die sich am 1. Januar zur derzeit größten Kirchengemeinde des Kirchenkreises zusammengeschlossen haben). Damit wurde der Kreissynodalvorstand auf theologischer Ebene neu aufgestellt.
Bereits bei der Kreissynode im November hatten die Delegierten der damals noch 14 evangelischen Kirchengemeinden die Gebhardshainer Gemeindepfarrerin Kirsten Galla zur Assessorin gewählt. Im Bereich der nichttheologischen Mitglieder des KSV wurde die Kirchenerin Monika Lieth als Synodalälteste bestätigt. Als nichttheologische Stellvertreterinnen wurden zudem Ute Klein (Daaden) und Kerstin Enders-Becker (Friedensgemeinde im Raiffeisenland) gewählt. Diese vier Frauen wurden nun im Synodalgottesdienst in Flammersfeld von Superintendentin Andrea Aufderheide offiziell in ihren Dienst eingeführt. Zugleich wurde Reinhild Roßbach (Kirchengemeinde Hilgenroth) entpflichtet, die aus Altersgründen nach mehr als 13 Jahren in unterschiedlichen Funktionen aus dem Kreissynodalvorstand ausschied. Superintendentin Pfarrerin Andrea Aufderheide dankte ihr herzlich für mehr als 32 Jahre Wirken als Presbyterin in ihrer Heimatgemeinde sowie für ihren Einsatz in vielfältigen „Herzensangelegenheiten“. Roßbach habe den KSV „warmherzig, gradlinig und engagiert“ mitgeprägt und sei stets bereit gewesen, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen – unter anderem in der Partnerschaftsarbeit mit dem Kirchenkreis Muku im Kongo.

Der Synodalgottesdienst in Flammersfeld war nicht nur von den personellen Veränderungen geprägt, sondern auch für die scheidende Superintendentin ein besonderer Moment: Andrea Aufderheide hielt die letzte Predigt ihrer Amtszeit vor den Mitgliedern „ihrer Synode“. In ihrer „Predigt in einer Zwischenzeit“ reflektierte die Theologin, die zugleich als Schulpfarrerin in Wissen tätig ist, wie sie sich in unterschiedlichen Lebenssituationen an Gottes Wort orientieren konnte und wie dankbar sie für das gute Miteinander und die tragende Gemeinschaft in mehr als 17 Jahren an der Spitze des Kirchenkreises ist. Im Mittelpunkt stand ein Wort aus den Weisheitssprüchen Salomos. Aufderheide betonte, dass Gottes Liebe dort sichtbar werde, „wo Menschen – gerade auch im kirchlichen Handeln – das tun, was sie können“ und anderen konkret und hilfreich zur Seite stehen.

Den Abschied aus dem Leitungsamt habe sie sich nicht leicht gemacht, ergänzte sie in der anschließenden Synodaltagung. Der gewählte Termin im Sommer ermögliche dem neuen Leitungsteam jedoch ausreichend Gestaltungsraum im Vorfeld der Fusion zum 1. Januar 2028. Der künftige Superintendent Marcus Tesch griff diesen Gedanken in seiner Bewerbungsrede auf. Er unterstrich, dass er die bereits vorbereiteten Wege gerne weitergehen und gemeinsam mit beiden Kirchenkreisen an einem zukunftsfähigen Miteinander arbeiten wolle. Zugleich machte er deutlich, dass er sich als „Superintendent für die kommenden 15 Monate“ verstehe.
Mit den Herausforderungen des Amtes ist Tesch vertraut: Er verfügt über mehrjährige Erfahrung als stellvertretender Superintendent (Assessor) und war mehrfach als Vakanzverwalter tätig. Kirchenkreis, Gemeinden und aktuelle Fragestellungen sind ihm daher gut bekannt.
Im Rahmen weiterer Ergänzungswahlen wurden Ute König (KSV/Betzdorf) und Sandra Deger (Wissen) zur Vorsitzenden beziehungsweise stellvertretenden Vorsitzenden des Fachausschusses „Kindertagesstätten“ gewählt. Der ehemalige Landrat Michael Lieber (Betzdorf) übernimmt künftig die Aufgabe des Synodalbeauftragten im Arbeitsbereich „Interreligiöser Dialog Christen–Juden–Muslime“. In einem Gottesdienst am Sonntag, 8. März, in Altenkirchen werden Pfarrer Martin Göbler und Pfarrer Jurij Lange in ihre Ämter im Kreissynodalvorstand eingeführt; zugleich wird der bisherige Skriba Pfarrer Stefan Turk offiziell entpflichtet. Dankbare Worte und viel Applaus für seinen Dienst im Leitungsgremium gab es jedoch bereits bei dieser Synode.
Noch zweimal tritt die Synode des Kirchenkreises in diesem Jahr zusammen: gemeinsam mit den Synodalen aus Wied am 20. Juni in Dierdorf sowie am 13. und 14. November im Kreis Altenkirchen.
Text und Fotos: Petra Stroh