„Und doch waren die Täter Leute wie wir“ – Ausstellung am Gymnasium Wissen
Ein Stolperstein erinnert auf dem Schulhof an ihn. Artur Seligmann war Schüler des Gymnasiums in Wissen. Auf Initiative der Schüler:innenvertretung (SV) wurde dort vom 26.-30. Januar die Ausstellung „Ihr seid die Schande unserer Schule. Ruth und Artur Seligmann. Szenen einer Spurensuche von Rosbach bis Stutthof“ gezeigt. Die 20 Tafeln der Ausstellung zeichnen nach, wie Menschen wie Ruth und Artur durch Unmenschlichkeit ausgegrenzt, abgeschoben, verfrachtet und ums Leben gebracht wurden.
„Wie können Menschen andere – Männer, Frauen, Kinder – derart demütigen, quälen, vernichten? Wie kann mensch das?“, fragte Schulreferent Pfr. Dr. Kai Horstmann in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung. Unvorstellbar sei es ihm, wie Menschen soweit verkommen können, dass sie andere Menschen nicht als Menschen sehen. „Und doch waren die Täter Leute wie wir.“

Anlass, die Ausstellung in dieser Woche zu zeigen, ist der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz am 27. Januar. Dieser Tag ist zum Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus geworden. Dass dieses Gedenken kein Erinnern an Ereignisse in grauer Vorzeit ist, sondern unsere Gegenwart betrifft, wurde im Rahmen der Ausstellungseröffnung in der Bibliothek des Gymnasiums durch die Sprecherin der SV, Hiba Al Kassou, eindrücklich betont. Tobi Alasentie, der als Religions- und Geschichtslehrer an der Schule unterrichtete, forderte die Schüler:innen im Rahmen der Ausstellungseröffnung auf, mit ihren Lehrer:innen die Ausstellung zu besuchen. Weil es so wichtig sei „nervt uns damit“. Und das taten die Kinder. Sabine Schmidt, die ebenfalls Religion und Geschichte unterrichtet, berichtete: „Ich war mit mehreren Klassen in der Ausstellung, selbst mit meinen 5ern. Das Interesse war groß und die vielen Fragen der Kinder zeigten zugleich, wie wichtig Aufklärung ist.“
Großer Dank gilt darum den Initiatorinnen der SV und den Vertrauenslehrern Tobi Alasentie und Felix Hof, die die Ausstellung an ihre Schule nach Wissen geholt haben.
Text und Foto: Gymnasium Wissen