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Oratorium

Das Jubiläumsjahr des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen wurde mit einem besonderen musikalischen Angebot beendet: In der Altenkirchener Christuskirche begeisterten  am zweiten Adventssonntag die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach (Kantaten I+III) und die „Donnerode“ von Georg Philipp Telemann. Rund 100 Sängerinnen und Sänger und Muzierende aus der Region wirkten mit. Fotos: Heiko Ehrhardt

 

Zum Jubelabschluss ein
ganz besonderes Werk

 

Weihnachtsoratorium und Donnerode erfreuten in der Altenkirchener Christuskirche

Mit „Standing Ovations“ endete nach einem besonderen musikalischen Höhepunkt und d e r Weihnachtsmusik schlechthin ein ganz besonderes Jubiläumsjahr in unserem Kirchenkreis: 500 Jahre Reformation und 200 Jahre Kirchenkreis Altenkirchen wurden in 2017 gefeiert und das „Jubeljahr“ mit der Aufführung des Bach’schen Weihnachtsoratoriums (Teil I und III) und der „Donnerode“ in der Altenkirchener Christuskirche feierlich abgeschlossen.
Trotz Unwetterwarnung und miserabler Verkehrsbedingungen erfreuten sich viele ZuhörerInnen in der Christuskirche an dem Konzert, das für Kreiskantor Johann-Ardin Lilienthal das erste „Großwerk“ an seiner neuen Wirkungsstätte darstellte.

„Jauchzet – frohlocket“

Mehr als 100 Mitwirkende aus der Region, Solisten und Orchestermusiker waren dabei und ließen  unter „Jauchzet, frohlocket“ die Kantaten 1 und 3 des Weihnachtsjubels von Johann Sebastian Bach mit Pauken und Trompeten erklingen. Die beiden Kantaten umschlossen zudem das imposante Chorwerk „Die Donnerode“ von Georg Philipp Telemann, das ebenfalls Chor, Orchester und Solisten glänzen ließ.

Die Gesamtleitung des Konzerts hatte Kreiskantor Johann-Ardin Lilienthal. Seit Januar 2017 ist der Kirchenmusiker (28) beim Evangelischen Kirchenkreis und der Kirchengemeinde Altenkirchen aktiv und sieht gerade das Weihnachtsoratorium als besonders würdigen Abschluss des Jubiläumsjahres. „Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster!“

So habe Luther über die Tonkunst geurteilt und hat damit Grundsteine für die Kirchenmusik gelegt. „Später kamen die Ausschmückung des Evangeliums, das im Gottesdienst singend vorgetragen wurde, und danach die mehrteiligen Kantaten“. Kantor Lilienthal erinnert daran, dass Johann Sebastian Bach 1734 die Entwicklungen in der Kirchenmusik verband und auch die Weihnachtsgeschichte in sechs Teile untergliederte und dazu entsprechende Kantaten komponierte, die ihren festen Platz im Gottesdienst hatten. „Und so erklangen am ersten Weihnachtsfeiertag 1734 die berühmten Paukenschläge, die bis heute vielerorts Jahr für Jahr die Geburt Jesu verkünden!“

Seit Sommer wurde geprobt

Gemeinsam intonierten die Sängerinnen und Sänger der Kantorei an der Altenkirchener Christuskirche, des Schulchores des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen und der Evangelischen Kantorei Hamm/Sieg diese Freudenbotschaft. Seit Sommer waren die Chöre, denen sich auch Projekt-Interessierte angeschlossen hatten,  an verschiedenen Orten schon in Vorbereitung. Während Kantor Lilienthal die Sängerschar in Altenkirchen leitete, übte Holger Knöbel mit dem Schulchor in Herchen und Kantor Achim Runge mit seinem Chor die Choräle in Hamm.

Oratorium

Bis kurz vor der Aufführung wurde getrennt geübt. Bei der Generalprobe am Samstag vor der sonntäglichen Aufführung band dann Gesamtleiter Lilienthal gemeinsam mit der Orchestermusikern (spontan war in der ersten Trompete noch Rüdiger Stiehl/Bad Neuenahr eingesprungen)  und den Solisten Julia Reckendress (Sopran), Inga Kappen (Alt), Rolf Schmitz (Tenor) und Christoph Scheeben (Bass) den „Weihnachtsstrauß“ zusammen.

Premiere bei der Gesamtleitung

Kantor

Kreiskantor Johann-Ardin Lilienthal. Archiv-Foto: Stroh

Als „Gesamtleiter eines WO“ war der junge Kantor Johann-Ardin Lilienthal  zum ersten Mal im Einsatz. Zum Weihnachtsoratorium selbst gibt es aber eine lange innige Verbindung. Als 15jähriger Tenor im Chor seiner damaligen Heimatstadt Lemgo sang er zum ersten Mal dieses besondere Werk. „Das war ergreifend“, erinnert er sich. „Dieser Jubel in ‚jauchzet, frohlocket’ und in Begleitung von einem Orchester“  hat ihn nie losgelassen. Als junger „Profi“ verdiente er für seinen Solisten-Einsatz eine erste Gage, durfte in Studienzeiten verschiedene Aufführungspraktiken miterleben und ist noch immer von der Faszination des Werkes begeistert. 

Vor 14 Jahren (siehe unten) erklang zuletzt das Weihnachtsoratorium in der Altenkirchener Christuskirche. „ Es werden aber sicher nicht noch mal 14 Jahre vergehen, bis das Weihnachtsoratorium wieder hier erklingt“, verspricht Lilienthal. Etwa in fünf Jahren soll es erneut ertönen. Was sicher die heimischen Zuhörerinnen und Zuhörer ebenso erfreuen würde wie die Mitwirkenden. „Und vielleicht ist dann auch der Winter ein bisschen zurückhaltender und gibt allen, die dabei sein wollen, eine faire Chance!“

 

Erinnerung an Telemann  und Bezug zu Altenkirchen


Neben den beiden Kantaten des Bach’schen Weihnachtsoratoriums hatte Lilienthal noch ein zweites „Bonbon“ ins Adventskonzert gepackt: das Oratorium „Die Donnerode“ von Georg Philipp Telemann.
Telemann, an dessen 250. Todestag in diesem Jahr erinnert wird, war ein Kollege Bachs und mit ihm verbunden (Taufpate von Sohn Philipp Emanuel Bach). Neben dem Chor und den Instrumentalisten haben auch alle vier Solisten ausführlich Gelegenheit zu glänzen.

Telemann hat auch eine (indirekte) Beziehung nach Altenkirchen. In erster Ehe (1709 -1711) war Telemann mit Amalie Louise Eberlin verheiratet. Deren Vater, Daniel Erberlin, war ein ‚schillernder’  Musiker, Komponist und Musikkritiker, aber auch Kaufmann, und soll auch im Altenkirchener Schloss – und damit in der Schlosskirche, einer der Vorgängerinnen der heutigen Christuskirche – als Hofmusiker gewirkt haben.
„Mit den Figuren der Weihnachtsgeschichte werden wir in einer Arie der Donnerode geradezu aufgefordert, zur Krippe zu eilen ‚Bringt her dem Herrscher Ehr und Ruhm! Fallt vor ihm hin, mit dem heiligen Kleide der frommen Unschuld angetan, und betet Gott in bewundernder Freude mit hingeworfnen Leibern an!’, zitiert Lilienthal.
 „Zu Beginn eines neuen Kirchenjahres und an der Schwelle zu den nächsten 500 Jahren Kirchengeschichte lassen wir uns sagen, dass Gott allein aus Gnade zu uns gekommen ist – und das auf besondere musikalische Weise“, freut sich der engagierte Kreiskantor. PES

 

 2003 mit Kinderchören

Vor 14 Jahren wurde das Oratorium zum letzten Mal in der Kreisstadt aufgeführt, und alle Akteure freuten sich nun über die Neuauflage.
Am vierten Adventssonntag 2003 wurde unter Leitung der damaligen Kreiskantorin Elisabeth Schubarth das Weihnachtsoratorium in Altenkirchen (Kantaten 1-3) aufgeführt. Damals – ebenfalls zum Anschluss eines Jubiläumsjahres (50 Jahre Christuskirche und Kirchenchor Altenkirchen) – wirkten Kinderchöre aus Altenkirchen und Birnbach, „Chorussal“ aus Flammersfeld, die Kantorei aus Altenkirchen, ein Instrumentalensemble , das Sinfonische Orchester Essen und Solisten mit. So kamen rund 100 Mitwirkende von „Acht bis 88“ zusammen.

 

Näher betrachtet:

Das Weihnachtsoratorium (BWV 248) 

ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. 
Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt.
Bach verwendet im Weihnachts-Oratorium dieselben musikalisch-dramatischen Formen wie in seinen oratorischen Passionen, legt den Schwerpunkt aber auf das Lyrische und Kontemplative. Den drei zugrunde liegenden Textgattungen entsprechen jeweils unterschiedliche Kompositionsformen. Bibeltexte liegen dem Secco-Rezitativ, dem Arioso und dem Turba-Chor zugrunde. Kirchenliedtexte setzt Bach in den Choralsätzen für den Chor ein.
Freie Dichtungen sind im Accompagnato-Rezitativ, in den Arien und in den Eingangschören zu hören.
Der fortlaufende Bibeltext wird durch freie Dichtungen und Choräle unterbrochen, die das Geschehene dem Zuhörer näherbringen wollen.
Von den 15 Choraltexten gehen fünf auf Paul Gerhardt, drei auf Martin Luther, drei auf Johann Rist und vier weitere auf verschiedene Textdichter zurück. 
Der Text der freien Stücke wird üblicherweise Bachs Leipziger Textdichter Picander zugeschrieben, dies ist aber nicht urkundlich belegt.

Die Donnerode 

Die „Donner- Ode“, ein geistliches Oratorium, ist zu Telemanns Lebzeiten – vor allem bei den Kantoreien kleiner und großer Städte – außerordentlich beliebt und verbreitet gewesen. Das Werk entstand während der Erdbebenkatastrophe von Lissabon. 1756 wurden bei dem Erdbeben und der anschließenden Flutwelle mehr als 60 000 der rund 250 00 Einwohner getötet und fast 20 00 Häuser zerstört oder stark beschädigt. 
Auf das Erdbeben selbst nehmen die Verse der ‚Donner-Ode’ keinen offenen Bezug. Sie besingen, feiern und lobpreisen in ständig neuen Varianten den Namen und die Größe Gottes, dessen Stimme die Zedern zerschmettert und die stolzen Gebirge zusammenstürzen lässt und der im Donner verherrlicht wird. 
Jeden Vers gestaltete Telemann verschiedenartig durch differenzierten Einsatz der Mittel und klugen Klangfarbenwechsel bei den Gesangs- und Instrumentalsoli.